Weltethos für die Volksschule

Weltethos für die Volksschule der deutschsprachigen Schweiz

Weltethos Schweiz steht ein für eine gleichgewichtige Darstellung von Ethik, Religionen und Gemeinschaft innerhalb des entsprechenden Fachbereichs des Lehrplans 21: «Ethik, Religionen und Gemeinschaft» (ERG) in der 7.-9. Klasse. Deshalb fördern wir im Rahmen der Umsetzung des Lehrplans 21 pädagogische Projekte, die mit diesem Ansatz  an der Entwicklung des Fachbereichs ERG arbeiten. Deren Ergebnisse sollen der inhaltlichen Ausgestaltung des Fachbereichs sowie der Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen und der Entwicklung von Unterrichtsmedien dienen.

Die deutschsprachige Schweizer Volksschule heute

In der Schweiz ist die Volksschule die wichtigste öffentliche Institution, in welcher die Kinder vom 4. bis zum 16. Lebensjahr gebildet und in die Gemeinschaft integriert werden. In der Schule erfahren Kinder schrittweise die Erweiterung ihrer Lebenswelt durch die Begegnungen mit Gleichaltrigen und Erwachsenen, die verschiedene familiäre, weltanschauliche und religiöse Prägungen mitbringen. In der zweiten Hälfte des vergangenen und noch beschleunigt im ersten und zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts hat sich die Vielfalt dieser Prägungen stark erweitert. Das früheren Generationen noch vertraute Bild von Schulstuben, in denen fast ausschliesslich Kinder mit gleicher  Muttersprache, gleicher Konfession und gleicher kultureller Herkunft sassen, gehört der Vergangenheit an.

Die in vielen Kantonen einst selbstverständliche «Zweigleisigkeit» (1.) von staatlich verordnetem Bibelunterricht und kirchlichem Religionsunterricht erlaubte je nach Region mehr oder weniger  starke Trennungen zwischen Bekenntnisunterricht («Teaching in Religion») und Religionsunterricht («Teaching from or about Religion»). Es war über mehrere Generationen evident, dass der Wertekanon für das menschliche Zusammenleben aus den über Jahrtausende gewachsenen Religionsgemeinschaften stammt. Auch wenn in der Bundesverfassung die Glaubens- und Gewissensfreiheit zu den Grundrechten zählt (2.), kennt die Schweiz keine scharfe Trennung zwischen Kirche und Staat. Die Kantone, verantwortlich für ihre Volksschule, gestalten diese Beziehung nach ihren spezifischen Bedürfnissen. So will es die Verfassung (3.).

Die Art dieser Beziehung wurde in den vergangenen vier Jahrzehnten vor allem dadurch neu hinterfragt, dass jener Anteil der erwachsenen Bevölkerung rasch anstieg (von wenigen Prozenten auf mehr als zwanzig), der sich zu keiner Religionsgemeinschaft zählt (4.).

Das Thema «Ethik-Religionen-Gemeinschaft»

Die Volksschule wurde eigentlich nicht primär herausgefordert durch einen zunehmenden Anteil an Kindern aus nichtchristlichen Religionsgemeinschaften wie dem Islam (die grösste mit fünf Prozent), sondern insbesondere auch durch die gut begründete Infragestellung der «Zweigleisigkeit» in sich stark verändernden Bindungen zu religiösen Gemeinschaften.

  • Was soll die Schule mit der bisherigen Aufgabe, das säkulare Gleis zu befahren, wenn es für immer mehr Kinder das sakrale Gleis nicht mehr gibt, das einst selbstverständlich von der gleichen Gesellschaft geführt und durch die gleichen Bahnhöfe gelegt wurde, um dort mit guten Anschlüssen umsteigen zu können?
  • Soll die Volksschule die Aufgabe übernehmen, einen interreligiösen und interkulturellen Unterricht einzuführen, um der neuen gesellschaftlichen Situation gerecht zu werden?
  • Welche ethischen Leitprinzipien sollen in der Volksschule zu Grunde gelegt, und auf welche Art sollen sie übermittelt und gelehrt werden?

Eine erste klare Antwort dazu gibt der Lehrplan 21 (5.). Er stellt im Fachbereich Natur-Mensch-Gesellschaft den Heranwachsenden stufengerecht (über 9 Schuljahre) erstes Wissen über Natur, Technik, Wirtschaft und Institutionen vor, die sich der Mensch im Verlaufe seiner kulturellen Evolution erarbeitet hat. Dadurch lernen die Schülerinnen und Schüler, wie mit einem Geflecht von Kompetenzen aus diesem Wissen ihre Umwelt und ihre Gemeinschaften laufend gestaltet und verändert  werden können. Für das 7.-9. Schuljahr wird unter dem Titel «Ethik-Religionen-Gemeinschaft» (mit Lebenskunde) ein Unterricht aufgebaut, der den Schülerinnen und Schülern zum Abschluss die Kompetenz vermittelt, einen ersten Überblick über Herkunft und Bildung von Wertekategorien zu schaffen, sowie wesentliche Eigenschaften in der Vielfalt von Religionen zu erfassen. Sie sollen die beiden Erkenntnisse nutzen, um in Gemeinschaften den aus dieser Situation immer wieder entstehenden Spannungen zuerst mit Dialog begegnen zu können. Der Fachbereich «Ethik-Religionen-Gemeinschaft» (ERG) ist Neuland und bedarf pädagogischer Pionierarbeit.

Das Projekt «Fachdidaktische Entwicklung in ERG anhand konkreter Unterrichtseinheiten»

Im «Kompetenzzentrum für interreligiöses Lernen in der Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen» an der Pädagogischen Hochschule St. Gallen erarbeiten Dozierende und Studierende gemeinsam in Semester-Werkstätten erste ERG-Unterrichtseinheiten für die Stufen Kindergarten und Primarschule sowie für die Sekundarstufe I (7.- 9. Schuljahr). Als grundlegende Unterrichtsmaterialien werden die beiden bisherigen Lehrmittel der Stiftung Weltethos verwendet. Das Projekt dauert über drei Jahre (2017 bis 2019). Die didaktischen Entwürfe aus den Werkstätten werden in der Praxis erprobt, wissenschaftlich evaluiert und abschliessend publiziert. Daraus entstehende praxistaugliche ERG-Unterrichtsmedien sollen auf geeigneten Vertriebskanälen zur Anwendung offeriert werden.

Das Projekt wird von der Stiftung Weltethos Schweiz im Rahmen einer Vereinbarung finanziell unterstützt und inhaltlich begleitet.

Projektleitung:

Prof. lic. sc. rel. Monika Winter-Pfändler
Dozentin Studienbereich Natur, Mensch, Gesellschaft
Fachdidaktik Ethik-Religionen-Gemeinschaft (ERG)

Pädagogische Hochschule St. Gallen
Seminarstrasse 27
CH-9400 Rorschach
monika.winter@phsg.ch
www.phsg.ch

Referenzen:

  1. Jakobs et al. 2009, Konfessioneller Religionsunterricht in multireligiöser Gesellschaft. Zürich:tvz
  2. BV Art.15
  3. BV Art.72
  4. BFS 28.01.2016 Strukturerhebung der eidgenössischen Volkszählung 2014: Bevölkerung nach Sprachen und Religionen
  5. Lehrplan 21, Schlussbericht der D-EDK vom 18.6.2015,  D-EDK Geschäftsstelle, CH-6003 Luzern

 

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Pfingstweidstrasse 16
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