Make Love not War! Miteinander, nicht gegeneinander.

Die Strassen, welche einst in allen Farben schimmerten, verdunkeln sich, die Grautöne flüchten in einen der beiden Kontraste Schwarz und Weiss.

Auf dem Nachhauseweg kommt mir eine junge Dame entgegen mit folgender Aufschrift auf dem T- Shirt: «Make Love, not War.» Ich lächle, die Leute schmunzeln. Wie wahr es doch ist, was sie durch den Aufdruck auf der weissen Baumwolle verkündet, welch frohe Botschaft. Und doch löst sie bei uns nicht viel mehr aus, als ein Schmunzeln. Einst, denke ich, da wurden die Leute geschätzt wenn sie solche friedensverheissende Botschaften ans Volk richteten. Wobei ich mich in diesem Moment nicht dafür interessiert habe, ob die junge Dame darin bloss ein modisches Accessoire sah oder vielleicht doch ein politisches Statement setzen wollte. Ich gab mich auf dem Weg zum Bahnhof weiterhin dem Gedanken hin, wie schön die Welt wäre, wenn wir alle anstelle von Krieg, Gewalt und Hass, Liebe, Geborgenheit und Frieden walten lassen würden. Unweigerlich stellt sich einem dann die Frage: Weshalb tun wir es denn nicht?

Gescheiterte Revolutionen und naive Träumereien?

Es seien nur Ideologien, Utopien und naive Träumereien sagen die Einen. Versteckt sich hinter solchen Argumentationen vielleicht einfach nur unsere Unlust uns mit der Umsetzung solcher Ideale zu befassen? Oder unser schlechtes Gewissen, nichts zu einer friedlicheren Welt beizutragen? Vielleicht sind wir auch müde, Revolutionen scheitern zu sehen, neue Präsidenten ihre Versprechen brechen zu hören und Referenden gegen unsinnige Initiativen einzugeben. Wir scheinen unseren Glauben an das Gute verloren zu haben. Natürlich ist es für unser Gewissen einfacher, nichts für eine Sache zu tun, welche kurzfristig nur geringe Aussichten auf Erfolg hat. Die Umkehrlogik dieses Gedankens ist aber auch, dass wenn die Parole «make Love, not War» realisierbar wäre, wir uns dafür einsetzen müssten.

Wenn wir nur noch zwischen Ja und Nein wählen können, nur noch für oder gegen etwas sein können, wo bleiben da die Grautöne zwischen Schwarz und Weiss?

«Wenn Du nicht für uns bist dann bist Du gegen uns» Dieser Satz oder eine solche Einstellung führen dazu, dass wir unseren Dialog einstellen und die Vielfalt unserer Meinungen negieren. Dieser Satz versetzt uns als Menschen einen schmerzlichen Schritt zurück. Denn es war unser gemeinsamer Dialog, selbst wenn heftig argumentiert wurde oder gar gestritten, welcher uns als Menschen zusammenbrachte. Der Dialog, welcher in eben gerade unserer multikulturellen Welt keine Option sein sollte, sondern als Notwendigkeit angesehen werden muss.

Hans Küng schrieb: «Kein menschliches Zusammenleben ohne ein Weltethos der Nationen; kein Friede unter den Nationen ohne Frieden unter den Religionen; kein Friede unter den Religionen ohne Dialog unter den Religionen.»

Hans Küng, Projekt Weltethos

Vom Dialog zum Miteinander

Besonders in schweren Zeiten werden gefährlich einfache Lösungen angeboten und die Mentalität des Entweder-Oder, für oder gegen uns, setzt sich durch. Würden wir uns ein bisschen mehr anstrengen, hätten wir nicht vergessen, dass wir den Weg des Miteinanders bereits beschritten haben. Vielleicht ist es kein einfacher Weg, doch hat sich gezeigt, dass unter anderem Konzepte basierend auf Dialog, wie jenes des Weltethos, bestand haben.

Was oft vergessen wird, ist, dass nicht nur Angst und Gewalt weiterhin unsere Welt zerstören, sondern wir dadurch auch das Vertrauen verloren haben. Das Vertrauen in unsere Mitmenschen, in die von uns gewählten Politiker und Regierungen und in uns selbst. Hier liegt ein essentieller Punkt, oder ein riesiger Stein auf dem Weg weg von Krieg und hin zu Frieden. Ohne Vertrauen können wir nichts miteinander aufbauen, keinen Dialog führen oder gar Kriege vermeiden. In einem Klima des Misstrauens, der Angst und des Gegeneinanders ist wahrlich nicht viel Gutes zu erwarten. Wenn die Angst vor unseren Mitmenschen so gross ist und das Misstrauen uns beherrscht, sind wir nicht mehr fähig, miteinander zu leben. Aber genau das, müssen wir tun. Wir können damit beginnen, unserem Misstrauen Ausdruck zu verleihen, um so darüber hinaus zu wachsen. Die Macht der Vergangenheit ist gross und dadurch das Vertrauen in die Zukunft oft klein. Somit wird es die Gegenwart sein, welche uns den Weg weist und in diese gilt es zu investieren, in dieser gilt es sich zu engagieren.

Make Love, not War!

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