Intermezzo zur Gerechtigkeit oder – Bildung für alle

Die politische Philosophie setzt sich mit der Gerechtigkeit auseinander. Der Egalitarismus und der Humanismus, auch einfach als Non-Egalitarismus bezeichnet, sind die zwei Hauptströmungen in der Gerechtigkeitsphilosophie. Sie sollen hier kurz vorgestellt und veranschaulicht werden.

Egalitarismus: Gerechtigkeit als Gleichheit

Nach der egalitaristischen Interpretation des moralischen Standpunktes ist eine Gesellschaft dann gerecht, wenn sie allen ihren Mitgliedern ein gleichermassen gutes Leben erlaubt. Gleichheit ist der zentrale und unabgeleitete, demnach intrinsische Wert. Das bedeutet, dass Gerechtigkeit dann hergestellt ist, wenn die gleichen Lebenschancen für alle bestehen. Denn niemand soll für Dinge, für die er nichts kann, wie Elternhaus oder die genetische Ausstattung, anderen gegenüber benachteiligt sein.

An diesem Konzept wird kritisiert, dass der Eigensinn der verschiedenen Gütersphären der Gerechtigkeit (z. Bsp.: Bildung, Esswaren, Strafen) unterlaufen wird. Jedes Gut, so die Kritiker, sollte nach eigenen Kriterien verteilt werden. Esswaren mittels des Kriteriums Hunger, Bildung nach Fähigkeit und Interesse oder Strafen anhand von Schuld. Das Argument der Gleichheit gilt bei den Egalitaristen jedoch für sämtliche Sphären und ist daher kein sphäreninternes Kriterium.

Humanismus: Gerechtigkeit als Würde

Die humanistische Konzeption des moralischen Standpunktes spricht dann von einer gerechten Gesellschaft, wenn sie allen ihren Mitgliedern ein menschenwürdiges Leben effektiv ermöglicht. Niemand sollte im Elend oder in demütigen Lebensumständen existieren müssen. Demnach müssen alle Zugänge zu Nahrung, Obdach, Sicherheit, medizinischer Grundversorgung, persönlichen Nahbeziehungen, sozialer Zugehörigkeit, Erholung und Spiel, Differenz wie privater und politischer Autonomie haben. Ungleichheiten, im Unterschied zu den Egalitaristen, oberhalb der Schwelle des menschenwürdigen Lebens gelten dem Humanismus nicht per se als ungerecht.

Balkenwaage versus Federwaage

Während der Egalitarismus Gerechtigkeit mit einer Balkenwaage misst und will, dass der Balken bei jedem Vergleich möglichst gerade ist, misst der Humanismus Gerechtigkeit mit einer normalen Küchenwaage und will nur, dass niemand in den roten Bereich, unterhalb der Schwelle des menschenwürdigen Lebens, fällt.

Bildung für alle

Dieser kurze Abriss über die zwei Interpretationen der Gerechtigkeit soll den oftmals unreflektierten Gebrauch des Wortes Gerechtigkeit konkretisieren. Ob egalitaristisch oder humanistisch ist dem Leser oder der Leserin überlassen. Es ist eine politische Standpunktfrage. Bildung für alle auch.

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