Daniela Tan und Peter Holliger auf der Bühne.
Peter Holliger liest Gruselgeschichten aus Japan.
Blick durch die gut besuchten Zuschauerreihen auf die Bühne.
Japanische Papierlaternen sorgten für besinnliches Kerzenlicht.
So sah es hier nur ganz am Anfang und am Ende aus: stimmungsvolles Licht im Kulturpark Zürich

Der 31.10.18 stand bei Weltethos Schweiz ganz im Namen von «Geister, Japan & Halloween – Gschichte für Erwachsni». Schon zum zweiten Mal las SRF-Mann Peter Holliger mythische Geistergeschichten aus Japan vor. Daniela Tan, Japanologin an der Universität Zürich, informierte das Publikum unterhaltsam über die Tradition der japanischen Geistergeschichte.

In ihrer kurzen, herzlichen Begrüssung der 45 Gäste im Kulturpark Zürich verwies Belinda Schweizer vom Ressort Dialog auf das Motto des Abends: alles dreht sich um die japanischen Geistergeschichten und den Umgang im Land der aufgehenden Sonne mit Geistern und Erscheinungen.

Bekannte Stimme, neues Terrain

Manch jemand im Publikum dürfte die Stimme Peter Holligers erkannt haben, liest er doch für verschiedene Sendungen von Fernsehen SRF Texte ein. Auf der mit zwei Sesseln und einem Tischchen mit Lämpchen eingerichteten Bühne war zwar nur er. Doch er füllte den ganzen Raum mit der Präsenz seiner Stimme.

Das wunderschöne Bühnenbild bestand aus Dutzenden von weiss-goldenen Papierlämpchen (made in Japan, selbstverständlich), die flackerten und sich mit den spärlichen Scheinwerfer-Akzenten vermischten. So kam eine fast medititative Stimmung auf, die in den Bann zog und träumen liess.

Von wegen nur Fliege oder Fasan!

Ob «Ibgwa-banashi», «Die Legende vom Yurei-Daki» oder «Der Tengu» – das Publikum sass in gebannter Stille und genoss es, Halloween einmal mit einem etwas subtileren Gruseln als dem bei uns üblich gewordenen, US-amerikanischen Kaufhaus-Grell-Grusel einzuläuten. So lauschte das Publikum den Geschichten über verstorbene und wiedergeborene Familienmitglieder, über die Präsenz der Ahnen in vermeintlich so nebensächlichen Erscheinungen wie etwa Fliegen oder Fasanen.

Spannender Vortrag

Nach der Lesung hielt Daniela Tan von der Universität Zürich einen Vortrag, der Einblicke in die japanische Kultur gab. So nimmt zwar auch dort der amerikanisch inspirierte Halloween immer grösseren Raum ein – das «O-bon», das buddhistische Fest zur Ehrung und Errettung der Seelen der verstorbenen Ahnen ist allerdings die überlieferte Variante. Genau wie der Abend im Kulturpark Zürich wird auch der «O-bon» von vielen im Kerzenlicht schimmernden Laternen begleitet. Allerdings findet das japanische Seelenfest im Sommer statt.

Geistergeschichten in der Popkultur

Die japanischen Geistergeschichten durchlaufen ziemliche Wandlungen. So werden laut Daniela Tan immer wieder Figuren aus klassischen Texten von Mangas und Animes übernommen. Es ist typisch für die japanische Popkultur, dass sie «ein ziemliches Sammelsurium aus Figuren aus der Mythologie, aus Sagen und alten Erzählungen sind», erfuhr man am Vortrag. Dabei «sind die Inspirationsquellen klar erkennbar, und manchmal verfremdet und in ziemlich freier Interpretation» – klar scheint, dass die Figuren jenseits der Geistergeschichten ein kulturelles Eigenleben führen.

Lange Gespräche, feine Getränke

Nach der zweiten Lesung von Peter Holliger und weiteren Ausführungen von Daniela Tan war der Abend noch lange nicht vorbei. So zog es das Publikum ans Getränkebuffet und zu den Stehtischchen. Dort wartete von Chips über Süssigkeiten bis zu Bowle und Bier alles, was das Herz begehrt.

Viele Besucherinnen und Besucher blieben noch lange nach der Lesung, prosteten einander zu und tranken auf einen schönen und gelungenen Abend – ob sie indes um Mitternacht Gespenster gesehen haben, ist nicht bekannt.

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