Dialog am Ball

Fussball eignet sich als Teamsport und wegen seiner Beliebtheit bestens dafür, verschiedene Menschen im gemeinsamen Spiel zu integrieren. Ein paar Gedanken anlässlich der Fussball-WM.

Als soziale Kraft mit hohem Begeisterungsfaktor kann Fussball Respekt und Toleranz fördern, wenn Fairplay und Zusammenspiel im Vordergrund stehen. Aus diesem Grund organisiert Weltethos Schweiz im September 2018 in Bern ein Fussballturnier, das die Vorteile gemeinsamen Handelns sichtbar machen und den interkulturellen und interreligiösen Dialog fördern soll.

Fussball kann ebenso positive wie negative Emotionen auslösen. Viele denken an Kommerzialisierung, Rivalitätsverhalten oder Hooliganismus. Andere sehen Fussball als Teil ihrer Selbstidentifikation und schwelgen in der Euphorie eines gewonnenen Matchs. Jenseits vom grossen Fussballzirkus ist das Spiel jedoch vor allem bestimmt durch Teilnahme, Engagement und das konstruktive Aushandeln zwischenmenschlicher Konflikte.

Grenzen im Spiel überwinden

Das Spiel selbst fusst auf zwei Faktoren: Einerseits ist da ein Regelwerk, das die Form und den Ablauf des Spiels vorgibt. Andererseits müssen die Regeln auch eingehalten werden, denn sonst funktioniert das Spiel nicht. Fairplay ist das Stichwort, oder Sportethos. Ebenso global wie das Fussballregelwerk ist auch der moralische Anspruch, Regeln einzuhalten. Erst so wird Fussball zu einem Spiel, das Spieler*innen jeglicher sozialer, kultureller und religiöser Herkunft zu vereinen vermag. Damit überwindet es die Grenzen von Staaten, religiösen Gemeinschaften, politischen Ansichten, ethnischen Gruppen und Geschlechtern. Es wird zu einem Werkzeug des Dialogs, der Differenzen verwischt und das Relevante zutage fördert: das Zusammenspannen mit dem Ziel, etwas aufzubauen und zu erreichen.

Den Fussball zurückerobern

Als Gruppensport erfordert es das Fussballspiel, dass jede einzelne Spielerin etwas von sich gibt und ihre individuellen Ansprüche zurücksteckt. Die Spieler stehen in einer Verpflichtung zueinander, sei es im Team selbst oder gegenüber dem mitspielenden Team. Dieses Bewusstsein zu fördern ist eine der Hauptaufgaben sportlicher Ethik. Denn allzu oft wird der Faktor des Zusammenspiels verdrängt durch ein Konkurrenzdenken, das die anderen als Gegner, als Feind inszeniert. Es gilt also, das Fussballturnier als Ort positiver Affekte zurückzuerobern, sei es auf dem Spielfeld oder auf der Tribüne. Das Fussballspiel kann genauso eingesetzt werden, um Integration zu fördern und voneinander zu lernen – entsprechende Initiativen etwa für Geflüchtete gibt es auch in der Schweiz.

Pilotprojekt mit Vorbildfunktion

Das Fussballspiel ist eine Art Mikrogesellschaft, in der individuelle Leistung von zwischenmenschlichen Beziehungen und gegenseitiger Unterstützung gerahmt wird. Während es im Sport jedoch schon eher anerkannt scheint, dass Merkmale wie Haarlängen oder Hautfarben nichts mit den fussballerischen Leistungen zu tun haben, hat sich diese Faustregel noch nicht in der Gesellschaft allgemein etabliert. Man kann den Fussball als ein Pilotprojekt mit Vorbildfunktion sehen, das es mitunter schafft, die Menschen aufgrund tatsächlich relevanter Merkmale zu fördern. Doch auch hier ist es noch ein weiter Weg zur Chancengleichheit, bedenkt man etwa die riesigen Unterschiede in Bezug auf die jeweilige finanzielle und infrastrukturelle Situation, in der sich fussballbegeisterte Kinder zurechtfinden müssen.

«Wir» im Erfolg, «du» in der Niederlage

Doch während der Fussball integrativ wirken kann, ist er leider oft auch Geburtsort von Aggressionen, die sich gegen vorgebliche Identitäten von Spieler*innen richten. Es ist meist gerade das Publikum, das Menschen jenseits ihrer spielerischen Leistung zu definieren und mit diskriminierenden Bezeichnungen auszugrenzen versucht. Im Erfolg ist es ein «wir», doch im Fehler, in der Niederlage, erscheint das «du», «sie», «er», von dem sich das «ich» distanziert. Ist es die Angst vor dem eigenen Ausschluss aus einer Leistungsgesellschaft, die solche Mechanismen hervorruft? Auf jeden Fall tut es gut, das Stellvertreterverhältnis von Zuschauerin und Spielerin aufzuheben und im «Tschuuten» selbst zu erfahren, was es heisst, wenn der Ball vom Fuss wegrutscht; zu merken, dass schnelleres Laufen schlicht ausserhalb der eigenen Möglichkeiten liegt; oder unverhofft über ein fremdes Bein zu stolpern. Und das, liebe Fussballfans, kann jeder und jedem passieren, ob als Muslimin, Hindu oder Atheistin, ob aus Somalia, Kirgisistan oder Norwegen stammend, ob mit Staatsbürgerschaft oder ohne.

Kommt alle ans Weltethos-Fussballturnier!

Am eigenen Leib erfahren und die Theorie in die Praxis umsetzen kann man dies alles am Fussballturnier von Weltethos Schweiz, das am 1. September 2018 in Bern stattfindet. Das Turnier, an das neben einem Weltethos-Team auch bestehende Teams und Profispieler*innen eingeladen werden, möchte vor allem den interkulturellen und interreligiösen Austausch von Jugendlichen fördern und eine Plattform für den spielerischen Dialog schaffen. Dabei soll auch Raum für Diskussionen jenseits von Fussballtechniken und -taktiken entstehen.
Wer jedoch lieber vom Rand zuschaut oder eine Stärkung zwischen zwei Spielen braucht, kann sich mit Köstlichkeiten aus aller Welt verwöhnen, die von Köchen und Köchinnen aus dem Iran, Indonesien, Honduras und der Schweiz zubereitet werden.

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