Brother Ali.

Arbeiten, arbeiten und nochmals arbeiten.
Schon in Kindesjahren wird uns eingetrichtert, dass wir fleissig sein sollen um es in der Welt zu was zu bringen. Macht irgendwie Sinn, denn ohne Fleiss, keinen Preis. Und dennoch, wo ist der Sinn, wenn das Ziel, das wir erreichen wollen, nicht unseres ist?

„My God there’s got to be more to life than this
There’s got to be a bigger reason that I exist“.

Der heutige Mensch versteht sich als Zahnrad in einer gewaltigen, weltumgreifenden Maschinerie. Er ist nunmehr Konsument als Produzent, auch wenn ein leichter Gegenwind zu spüren ist.
Die Kracke namens Kapitalismus ist aber sehr intelligent. Anstatt sich bedroht zu fühlen, zum Beispiel vom Fitness- und Vegan-Boom, verschlingt sie diese Segmente samt Haut und Knochen, um sie dann durch ihre langen Fangarme selbst überall zu vertreiben. Die Kleinen sterben aus, damit die Grossen abräumen können und ein paar Wenige sich bereichern können auf Kosten vieler.
Die Kracke wächst und die Zahnräder drehen munter weiter.
Wird ein Teil ausgemacht, welches nicht mehr ordnungsgemäss läuft, wird es ausgetauscht.

„Greed could never leave well enough alone
They keep on squeezing till we bleed from every bone“.

Wir haben Angst vor Robotern, welche in unseren Alltag eingreifen und uns schlussendlich noch unsere Arbeit wegnehmen, aber dummerweise sind wir schon selber zu solchen geworden.
Den Fernseher gibt’s jetzt schon einen Moment, aber innert kürzester Zeit haben wir das Internet mit all seinen Empfangsgeräten in unser aller Leben integriert. Täglich sind wir Werbeschwallen ausgesetzt, die ihresgleichen noch suchen aber wohl schon bald gefunden haben.
Ständig werden wir mit Produkten konfrontiert, die noch besser sind als die, die wir schon besitzen, sei der Unterschied noch so gering. Dennoch kaufen und konsumieren wir. Ablenkung ist Trumpf.
Wir arbeiten nicht mehr zum Überleben, zumindest in der industrialisierten westlichen Welt, man könnte meinen, wir überleben, um zur Arbeit gehen zu können. Kredite, Zinsen und andere Schulden nehmen wir in Kauf, damit wir uns nutzlose Sachen kaufen oder die Illusion eines Eigenheimes haben können. Der Wettbewerb macht’s möglich.

„Work to eat to earn my keep
To ensure somewhere to sleep and spend the weekend buying shit“.

Würden wir uns doch für einmal zurückbesinnen ins Mittelalter, ja, genau das dunkle Ungetüm der Geschichtsstunde.
Es gab eine Zeit, da war Wucher verpönt und man orientierte sich an dem biblischen Verständnis der Nächstenliebe. Es gab Gilden, eine Art Genossenschaft, welche das Wohl aller gleichsetzten und das Wort Gerechtigkeit grosszuschreiben pflegten. Wer reich war, hatte es nicht leicht. Die Medici waren bis dahin die Einzigen, welche Wucher und Wohltätigkeit unter einen Hut zu bringen schienen.
Was damals gesellschaftlich verwerflich war, ist heute bitterer Alltag.
Grosskonzerne machen Milliardengewinne, währen die kleine Arbeiter um ihre Anstellung bangen müssen. Denn auch gespart wird von unten nach oben, man folge nur dem Fluss des Geldes.
Alles muss billig sein, vom Abbau der Rohmaterialien zur Produktion bis zum Verkauf eines Handelsgegenstandes, wobei auch bei den Menschen keine Ausnahme gemacht wird, ob in der Kobaltmine oder hinter der Ladentheke. Der ausschweifende Konkurrenzkampf den wir heute pflegen, lässt praktisch keine Qualität mehr zu. Das Paradebeispiel für die sogenannte geplante Obsoleszenz ist die Glühbirne. Um mehr Leuchtmittel zu verkaufen, baute man einfach Fehler ein. Und so dreht sich das Rad bis heute ungehindert weiter.

„They seduce you with a little wealth
Say you could have some of these crumbs for yourself“.

Wir arbeiten so gerne, dass wir sogar 6 Wochen Ferien und ein bedingungsloses Grundeinkommen ablehnen.
Solches Verhalten der Bürger kommt dem Staat gelegen. So kann er bei den Ärmsten sparen, indem er die Prämienverbilligungen und die Sozialhilfe runterschraubt und das ohne jegliche Gegenwehr. Im Gegenzug werden die Krankenkassenprämien stetig erhöht.
Uns geht’s ja gut, so der Tenor in der Schweiz. Aber dass über eine halbe Million Menschen als arm und mehr als eine Million als gefährdet gelten, und darunter noch viele Working Poor sind, blendet man aus. Anderswo ist‘s ja noch schlimmer, sagt sich wohl der eine oder andere…

„And we’ll strive hard and stress about the rent
Probably still die poor and in debt without a cent“.

Legen wir doch unsere Arbeitsgeräte für einen Moment nieder und verabreden uns mit Freunden und gehen in die Natur.
Arbeit bereichert indirekt vielleicht das Bankkonto. Begegnungen hingegen bereichern das Leben.
Also lasst die Arbeit für einen Moment ruhen und geht raus und begegnet euch!

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