Walk on by (Teil 2/3)

Täglich sind wir unterwegs. Rastlos. Wir gehen zur Arbeit, zum Einkaufen oder in den benachbarten Park zum Entspannen oder vielleicht auch nur, um uns als Teil von etwas Grösserem zu fühlen. Dabei gehen wir über gute Strassen, vorbei an schönen Häusern und teuren Läden, wir steigen in saubere öffentliche Verkehrsmittel oder in unser neues Auto. Wir steigen in den Flieger und bereisen ferne Länder, um die Schönheit und Vielfalt derer Natur und Kultur zu geniessen. Aber wie genau schauen wir eigentlich hin auf unserem Weg durch die Welt?

Wir sehen Reichtum und Armut, Freude und Trauer, Hass und Liebe. Aber sehen wir auch die Menschen dahinter? Auf dem Weg treffen wir verschiedenste Gesichter und Geschichten, manche kommen uns bekannt vor, andere bleiben fremd. Wie entscheiden wir, wem wir begegnen und an wem wir vorbeigehen wollen?

Der Verkäufer am Essensstand, die Kosmetikerin im Schönheitssalon, die Reinigungskraft im Bus oder der Bettler an der Strassenecke. Oft sehen wir sie gar nicht, denn wir ziehen es vor, zielgerichtet und unbeirrt voranzuschreiten, anstatt uns auf eine Begegnung einzulassen. Vielleicht schauen wir sogar flüchtig hin, entscheiden uns aber oft bewusst dagegen, hinzusehen. Unsere Selbstisolation von der Gesellschaft drängt Randgruppen immer mehr nach Aussen in unserem sozialen Konstrukt. Unsere Furcht vor dem Neuen oder Anderen macht uns immun gegen das Leben.

Wir halten zwar die Welt in Gang, scheitern aber am Menschsein.
Aber was gibt es spannenderes als ein spontanes Gespräch mit einer unbekannten Person?
Eine Begegnung mit einer anderen Weltanschauung, welche der Eigenen vielleicht unbekannt ist?

Die Politik und die Medien sind sehr darauf bedacht, uns täglich vor Augen zu führen, in was für einer gefährlichen Welt wir leben und werden damit möglicherweise Recht behalten.

Wir lassen uns Worte in den Mund legen und schüren Hass gegen die grosse, unbekannte Welt und begeben uns in rechte Strömungen, welche mit rassistischen und menschenverachtenden Parolen von sich zu reden machen. Sie schaffen es, Menschen auf ihre Seite zu ziehen, welche die hinter dieser Propaganda verborgene Ideologie eigentlich ablehnen. Sie geben sich aus als Retter in der Not und als Sprachrohre des Volkes, handeln aber meistens nur eigennützig und auf den eigenen Profit bedacht. Sie hantieren mit Ängsten und Problemen, mischen sie nach Belieben und versuchen die Individualität zu bremsen, um Konformität zu schaffen. Solange das Zahnrad läuft und man es nur gelegentlich ölen muss, wird die Maschine auch weiterhin gut funktionieren.

Was aber, wenn die Zahnräder plötzlich untereinander zu kommunizieren beginnen und sich ihrer Wichtigkeit im Gesamtkontext bewusst werden?

Wir sind zwar per Smartphone immer miteinander verbunden, zu jeder Tages- und Nachtzeit. Wir kommunizieren und trotzdem sind wir alleine. Es ist eine eigenartige Entwicklung. Die Technik bringt uns scheinbar näher zusammen, aber die Distanz wächst weiter.

Wer macht sich beim täglichen Gebrauch seines Geräts schon Gedanken darüber, durch wie viele Hände dieses gegangen ist, bis es in unserer eigenen gelandet ist und wir es jetzt behutsam streicheln, Wörter hineintippen und es gar nicht mehr loslassen wollen?

Wie lange wollen wir noch die Augen vor den weltumfassenden Zusammenhängen im täglichen Leben verschliessen?

Die Fakten liegen auf dem Tisch, aber wir handeln (noch) nicht.

Wenn sich also eure Wege treffen, schaut hin und geht nicht aneinander vorbei, die Chancen auf einen Gewinn sind gross.

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Wer sich nicht aus seinem Schneckenhaus traut, der kann nicht berührt werden.

Dialog beginnt dort, wo Menschen sich begegnen.

Zu Fabio Hausers letztem Artikel:

Work everyday (Teil 1/3)

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